Der Sündenbock

Wie oft hört man diesen Satz „sie ist schuld, dass wir uns getrennt haben“, oder er ist schuld, dass wir auseinander gegangen sind„. Wäre diese Person nicht gewesen, dann wären wir noch zusammen. Sie haben sich in die Beziehung gedrängt und alles zerstört.

Wenn wir verletzt und/oder wütend sind, weil man uns betrogen oder verlassen hat, neigen wir dazu solche Gedanken zu denken und scheuen uns auch nicht sie laut auszusprechen.

Wir machen dann gern die 3. Person, den Eindringling, den Unheilstifter, die Femme Fatal (es gibt unzählige Titel, die wir dann verleihen) zum Sündenbock und versuchen uns tatsächlich einzureden, dass diese Person unsere Beziehung zerstört hat.

Die Ursache für das Scheitern der Beziehung liegt einzig und allein an diesem Menschen. Wie konnte er sich nur dazwischendrängen? Wie konnte das nur passieren? Wir hätten das bestimmt wieder hingekriegt. Was für ein Mensch drängt sich in eine Beziehung? Wir sind wütend, außer uns vor Zorn, verletzt und verstehen die Welt nicht mehr. Wir sind fassungslos, dass es solche Menschen gibt.

Doch die Wahrheit ist, dass nichts und niemand sich in eine glückliche und funktionierende Beziehung drängen kann. Nichts und Niemand. Punkt.

Wenn wir also der Femme Fatale oder dem Loverboy den schwarzen Peter zuschieben, lassen wir leider völlig außer Acht, dass kein Außenstehender unsere Beziehung zerstören kann. Denn das können nur wir selbst.

Wir können die Beziehung schwächen, sabotieren und zum Bröckeln bringen und so erst einen Zugang für andere schaffen. Durch Unachtsamkeit, Unehrlichkeit, Respektlosigkeit, Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit.

Denn all das ist Gift für unsere Beziehung. All das schwächt den Kern, kratzt an der Substanz und schafft Distanz. Diese Distanz, diese Diskrepanz erlaubt es anderen überhaupt erst einzudringen.

Der neue bemüht sich, ist fürsorglich, liebevoll, aufmerksam – so wie es einst auch wir waren. Unser Partner fühlt sich wieder begehrt, ist geschmeichelt, fühlt sich wichtig und wertvoll.

Und dann ist es passiert. Plötzlich sind da Gefühle für jemand anderen und wir sind wie vom Donner gerührt und suchen verzweifelt nach einem Katalysator für all die Wut und den Schmerz.

Da kommt der oder die Neue gerade Recht. Und wir bemerken nicht, nein, wir wollen nicht sehen, dass wir erst die Tür dafür geöffnet haben. Wenn es passt, dann passt es, und dann hat kein Dritter Zugang, Punkt.

Wenn es nicht mehr passt und wir uns  weigern hinzusehen, dann dürfen wir aufhören die Neue oder den Neuen zu verurteilen und zu hassen.

Denn sie sind nicht Schuld am Ende der Beziehung. Wenn wir mit Scheuklappen durch unsere Beziehungen laufen und nicht bereit sind Dinge anzusprechen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und wirklich ehrlich miteinander umzugehen, dann können wir nicht eine andere Person zum Sündenbock küren.

Sie verdienen unseren Hass und unsere Missgunst nicht. Vielleicht sollten wir ehrlich zu uns sein und uns fragen, wann wir die Beziehung eigentlich aufgegeben und verlassen haben.

Wann hat es angefangen nicht mehr zu passen und wann haben wir begonnen Raum für jemand neuen zu schaffen?

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